10/12/2014

Troll: Eine Liebesgeschichte

Titel: Troll: Eine Liebesgeschichte
Autor: Johanna Sinisalo
Verlag: Rowohlt (inzwischen bei Klett-Cotta)
Format: Taschenbuch
Preis: 8,90€
Seiten: 314
ISBN: 978-3-608-50074-5 (Klett-Cotta)
Klappentext: Nach einer durchzechten Nacht trifft der junge Fotograf Angel im Innenhof seines Apartmenthauses auf eine Gruppe Halbwüchsiger, die einen kleinen Troll bedrohen. Angel entschließt sich, ihm Zuflucht für die Nacht zu gewähren. Am nächsten Morgen glaubt Angel zunächst, er habe alles nur geträumt. Bis er den Troll entdeckt, wie dieser gerade in der Toilette seinen Durst stillt. Was macht man mit einem Troll in der Großstadt? In der skandinavischen Mythologie sind Trolle als wilde Bestien verschrien, dieser scheint jedoch lediglich eine hilflose, verwundete Kreatur zu sein. Angel recherchiert in Internet und Bibliotheken, während der Troll mit seinem aphrodisierenden Duft, der sehr an das Parfüm »CK one« erinnert, heillose Verwirrung im Gefühlsleben von Angel und seinen Freunden stiftet. (Klett-Cotta)

Der junge Werbefotograf Angel rettet ein hilfloses Fellbündel vor einer Gruppe brutaler Jugendlicher und nimmt es mit nach Hause. Doch es ist kein Tier - es ist ein junger Troll. Schon am nächsten Morgen wird Angel klar, dass er sich ein Stück Wildnis in die Wohnung geholt hat: Der Troll ist unberechenbar, unendlich faszinierend - und gefährlich, wenn man falsch mit ihm umgeht. (rororo)

Zwei unterschiedliche Klappentexte, die komplett verschiedene Eindrücke wecken. Wie ich sowas ja liebe.....
Ich hatte zuerst nur den rororo-Klappentext gekannt und mir das Buch auch deswegen gekauft. Es klang spannend, vielleicht ein bisschen gruselig. Vor allem aber war ich gespannt auf diese "Liebesgeschichte".
Der Klappentext von Klett-Cotta scheint eher lustig zu sein. Man erwartet ein schönes Durcheinander, Slapstick Comedy. Der Klappentext hätte auch mein Kaufinteresse geweckt.
Welcher Klappentext besser war, sag ich euch gleich.

Nun aber zum Buch selbst:
Angel, eigentlich Mikael, ist Fotograf und arbeitet mit Marrti zusammen, der eine Werbefirma hat. Angel steht auf Marrti aber Marrti steht auf Frauen, außer in der einen Nacht als er betrunken mit Angel rumgemacht hat. Ecke steht auch auf Angel aber Angel weiß nicht, dass Ecke überhaupt existiert, zumindest am Anfang. Dann gibt es noch Doktor Spiderman (den richtigen Namen finde ich nicht mehr), der mal mit Angel zusammen war aber Angel hat ihn wegen Marrti verlassen, der ja gar nicht schwul ist aber trotzdem irgendwie was von Angel will. In der Wohnung unter Angel wohnt Palomita, ein phillipinisches Mädchen/Katalogbraut, die von ihrem Mann missbraucht wird und natürlich auch auf Angel steht. Na, erkennt ihr ein Muster?? Richtig, alle stehen auf Angel und er schläft sich durch fast alle. Kann man nicht anders ausrücken.

Als Angel von Marrti abgewiesen wurde, kommt er betrunken nach Hause, findet ein Trollbaby und nimmt es mit in seine Wohnung. Trolle sind hier keine mythischen Wesen, sondern Raubtiere, die als Katzenaffen bezeichnet werden. Er recherchiert, liest Artikel, Bücher (manche existieren sogar wirklich) und fragt Dr. Spiderman (Tierarzt), natürlich nur rein hypothetisch, was Trolle denn so fressen, da Pesse (der Troll), nichts frisst und sich auch nicht wirklich viel bewegt.
Mit Hilfe von Palomita schafft er es den Troll zum Fressen zu bringen. Palomita spricht übrigens nur ein bisschen finnisch und englisch, die Kommunikation klappt aber trotzdem erstaunlich gut.
Angel wird durch Pessi total eingenommen und vergisst sogar Marrtis Auftrag für eine Jeansfirma. Spontan steckt Angel den armen Pessi in eine Kinderjeans und fotografiert ihn als dieser versucht sich zu befreien. Das soll das Bild auf dem Cover sein aber für mich sieht es immer noch so aus, als ob der Troll auf einem Bett liegen würde.
Angel fühlt sich auf irgendeine Weise zu dem Troll hingezogen und jedes Mal, wenn er erregt ist, geht er zu Ecke, der sich tierisch freut aber sich auch wundert, warum er nie in Angels Wohnung darf. Und auch Marrti fragt sich, warum Angel auf einmal das Interesse an ihm verloren hat, er ist eben doch eifersüchtig.

Die Kapitel werden aus der Sicht von Angel, Ecke, Marrti, Dr. Spiderman und Palomita erzählt und alle aus der Ich-Perspektive, was manchmal ein bisschen verwirrend ist. Zwischendruch kommt immer mal ein Ausschnitt von Angels Recherchen, sodass man die Mythologie von Trollen kennen lernt. Am Anfang fand ich das auch noch sehr interessant, weil ich dachte, es wäre wichtig. War es nicht wirklich und zum Schluss habe ich die Abschnitte einfach überblättert. Die anderen Kapitel bestehen teilweise nur aus einem Satz und dann kommt das nächste aus Sicht eines anderen aber die Handlung geht nahtlos weiter, dann wieder nur ein Satz und zurück zum anderen Charakter. Diese Schreibweise war nicht nur verwirrend, ich fand es auch unglaublich sinnlos. Ein auktorialer Erzähler hätte es auch getan, beziehungsweise so viele Perspektivwechsel sollte man einfach ganz lassen. Ich bin kein Fan von sowas.

Am Anfang war ich ziemlich begeistert von dem Buch, es sah sehr vielversprechend aus, die Perspektivwechsel hielten sich in Grenzen, die Troll-Mythologie war interessant, ich war gespannt wie Angel mit dem Troll umgeht, wer alles davon erfährt, was es mit der "Liebesgeschichte" auf sich hat und wie sich der Troll entwickelt. Meine Begeisterung hat sich fast bis ca. Seite 100 gehalten, dann hat sie sich Seite um Seite in Abneigung gewandelt. Ich konnte Angels Handlungen gar nicht mehr nachvollziehen, Ecke hatte zunehmend was Stalkerhaftes an sich, Marrti wurde auch immer unsympathischer, Palomita war mir von Anfang an ein Rätsel, nur Dr. Spiderman hat mal mitgedacht und konnte Eins und Eins zusammenzählen. Die "Liebesgeschichte" kann man wörtlich nehmen. Angel hat sich tatsächlich in den Troll verliebt, irgendwie zumindest und hat alle anderen nur ausgenutz um den Troll zu schützen oder sein Verlangen nach dem Troll zu stillen. Dass er den Troll in die Jeans gesteckt hat, hat mir so ziemlich den Rest gegeben. Reine Tierquälerei, mit Kunst hat das nun wirklich nichts zu tun. Das Ende...ja das Ende...einfach nur abgedreht und das nicht im guten Sinne.

Jetzt wieder zu den Klappentexten: Keiner der beiden war besonders zutreffend. Es war werder lustig, noch spannend. Es war einfach nur verstörend.

Fazit: Eine zu "Liebesgeschichte" zwischen Mann und Troll, die viel zu abgedreht, pervers und verwirrend war um unterhaltsam zu sein. Die Handlungen der Charaktere waren nicht immer nachvollziehbar und die meisten Charaktere waren auch nicht sympathisch. Enttäuschung des Monats, das steht jetzt schon fest.


PS: 2€ in den Sparstrumpf, S für Autoren-ABC (+Monatsaufgabe) und Nr. 37 für Quer-durchs-Regal.

2 comments:

  1. Hey!
    Na, die Kritik ist ja ziemlich vernichtend ;) Ich war eigentlich ganz neugierig auf das Buch, weil es wirklich mal abgedrehter und originell klang. Aber wenn es dann wirklich so schräg und auch nicht mehr gut-verrückt ist, wie du es beschrieben hast, schreckt es mich doch eher ab. Die Klappentexte sind wirklich beide sehr unterschiedlich - deren Texter wussten wohl auch nichts mit dem Buch anzufangen - und keinen von beiden finde ich nach deiner Rezi auch nur annähernd zumutbar; sie erwecken irgendwie vollkommen falsche Erwartungen. Wieder mal irgendwelche Augenwischerei von den Verlagen, schade =/
    Ich hoffe, mit Jakes Djones bist du besser bedient, das soll ja ganz gut sein ;)
    Viele Grüße,
    David

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    1. Ich finde Klappentexte ganz oft ganz schrecklich, als ob die Verlage ihre Bücher nicht selber lesen würden.
      Von Jake Djones bin ich total happy, gefällt mir wirklich gut :D
      Lg

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Ich freue mich über alle Kommentare, also her damit :)