8/26/2015

"The Dante Club" von Matthew Pearl

http://www.penguinrandomhouse.com/books/128844/the-dante-club-by-matthew-pearl/#
Titel: The Dante Club
Autor: Matthew Pearl
Verlag: Ballantine Books (Random House)
Format: Taschenbuch
Seiten: 424
Preis: $7,99
ISBN: 9780812971040
Klappentext: Boston, 1865. A series of murders, all of them inspired by scenes in Dante’s Inferno. Only an elite group of America’s first Dante scholars—Henry Wadsworth Longfellow, Oliver Wendell Holmes, James Russell Lowell, and J. T. Fields—can solve the mystery. With the police baffled, more lives endangered, and Dante’s literary future at stake, the Dante Club must shed its sheltered literary existence and find the killer. (Random House)


Was ich erwartet habe

Da ich "Die göttliche Komödie" noch nicht gelesen habe, wusste ich nicht, was mich erwarten wird. Ich wusste aber schon, dass Dante's Geschichte über die Höllenkreise ziemlich grausam und detailliert war. Einige der Namen kamen mir bekannt vor, Longfellow, Lowell und Holmes (Die Fireside Poets) und war dementsprechend gespannt, wie der Autor es schafft, die historischen Persönlichkeiten als Hauptcharaktere darzustellen, da die Morde nicht geschichtlich sind. 


Inhalt

Ein Richter und ein Pastor werden brutal ermordet. Der Richter wird nackt im Garten gefunden, zerfressen von Maden und Insekten. Der Pator wird kopfüber vergraben, nur die Füße gucken raus und die werden angezündet. Die Polizei von Bosten ist ratlos, nur Nicholas Rey, der erste schwarze Polizist, gibt nicht auf. Rey hat aber keine Befugnis, er darf keine Uniform tragen und darf keinen weißen Bürger ohne Anwesenheit eines weißen Polizisten verhaften. Als ihm ein Häftling etwas ins Ohr flüstert, bevor er sich in den Tod stürzt, glaubt er eine Spur zu haben. Doch dazu benötigt er Experten in Fremdsprachen. Und rasch findet er eine Reihe von Dichtern.
Diese Dichter sind dabei Dantes "Komödie" zu übersetzten. Hauptübersetzer ist Longfellow, die anderen helfen und unterstützen ihn. Holmes, sowohl Dichter als auch Mediziner, wird als Pathologe zum Mord des Pastors gerufen. Dort fällt ihm die Ähnlichkeit zu Dantes Beschreibungen auf. Sofort erzählt er seinen Freunden davon. Alle sind hin und her gerissen. Die Übersetzung stand von Anfang an unter keinem guten Stern, da im protestantischen Amerika der katholische Text nicht gerne gesehen wird. Harvard tut alles, um die Übersetzung aufzuhalten. Wenn der Dante Club der Polizei mitteilt, dass es sich bei den Morden um Nachahmungen von Dante handelt, würden sie die ersten Verdächtigen, da sie die einzigen Dante-Experten sind. Dennoch wollen und können sie die Morde nicht verdrängen und versuchen auf eigene Faust den Mörder zu entlarven.


Meine Meinung

Wenn ich mir jetzt gerade meine Inhaltsangabe angucke, dann klingt das Buch ziemlich lustig. Im Nachhinein war es das auch. Beim Lesen schien es mir aber viel düsterer. 
Der Anfang war nicht ganz einfach. Die Polizei wird zur Leiche des Richters gerufen und plötzlich gibt es einen Rückblick zur Haushälterin und wie sie die Leiche gefunden hat. Es gab noch ein paar mehr dieser Rückblicke, wodurch ich etwas gebraucht habe, bis ich in der Geschichte drin war. Dazu kamen noch so ziemlich alle Charaktere auf einmal. Nach gut 50 Seiten hatte ich aber keine Probleme mehr, wahrscheinlich lag es einfach an meiner Konzentration.
Nach den ersten zwei Morden wurde es relativ still. Es wurde viel vom Dante Club berichtet, wie sie sich treffen, wer was macht, wie weit die Überstetzung ist, was es für Probleme gibt, usw. Für Leser, die einen blutigen Krimi wollen, wird da etwas enttäuscht werden. Ich fand es unheimlich interessant, weil genau das historisch korrekt war und der Autor dafür Briefe und Aufzeichnungen als Vorlage hatte. Gerade die Probleme, die es mit Harvard gab, waren sehr spannend. Es gab Drohungen, Verschwörungen, das Übliche eben, nur dass es um ein einziges Buch ging, vor dem so macher Amerikaner tatsächlich Angst hatte. Dass bloß nicht noch mehr katholische Iren und Italiener kommen. 
Noch interessant war definitiv die Zeit, gerade mal ein paar Monate nach dem Ende des Bürgerkrieges. Viele Veteranen hatten keine Arbeit mehr, kein Zuhause, viele Frauen keine Söhne oder Männer mehr. Zwar gab es (so wie heute) Einrichtungen, aber die standen bereits kurz vor der Schließung, da die Regierung der Meinung war, dass die Soldaten wieder "normal" sein sollten. Von Posttraumatischer Stressstörung hatte man damals noch nie etwas gehört.
Ein anderer Aspekt war Nicholas Rey. Als Sohn eines Weißen und einer Schwarzen, gehörte er nirgendwo hin, keiner wollte ihn. Als der Bürgermeister von Bosten ihn als Patrolman eingesetzt hat, ging es ihm nicht viel besser. Einzig sein Vorgesetzter hat ihm Aufgaben übergeben und auf ihn gehört, wenn Rey eine Spur gefunden hat. Als ihm der Fall entzogen wurde, machte er auf eigene Faust weiter, da er sich sicher war, den Täter finden zu können. Mit Konsequenzen.
Es kommt - leider - nicht sehr oft vor, dass mich Bücher überraschen, was den Mörder angeht. Gerade die letzten Thriller/Krimis, die ich gelesen habe, waren echt offensichtlich. Deshalb hab ich mich umso mehr gefreut, dass ich wirklich absolut komplett total daneben gelegen hab. Aber so richtig. Ich fand's total super :D Es war nicht nur erfrischen, dass man nicht drauf kommen konnte, sondern es gab ein extra Kapitel über den Mörder und wie es überhaupt dazu gekommen war. Also kein Monolog, wo der Mörder der Polizei alles erzählt, sonder es war ein bisschen ausführlicher und es wurde besser erklärt.
Der Schreibtsil hat super in die Zeit gepasst. Häufig ist es so, dass man merkt, dass das Buch in der heutigen Zeit geschrieben wurde, seien es Formulierungen oder Charaktereigenschaften, die für die damalige Zeit unpassend scheinen. Matthew Pearl hat den Ton genau getroffen. Aber wenn man an Harvard Literatur lehrt, dann kann man das auch erwarten :)


Fazit

"The Dante Club" ist eine interessante und spannende Geschichte, die Lust auf "Die göttliche Komödie" macht, wenn man sie noch nicht kennt. Trotz schwierigem Einstieg kann ich das Buch mit gutem Gewissen weiter empfehlen, besonders an Leser, die sich auch für den geschichlichen Hintergrund interessieren. Die Charaktere, die zum größten Teil historische Persönlichkeiten waren, kommen nicht künstlich rüber, sondern einfach menschlich und echt.  

 

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