1/21/2016

"Die Entführung der Delia Wright" von Lyndsay Faye (Band 2)

http://www.dtv.de/buecher/die_entfuehrung_der_delia_wright_26043.html
Titel: Die Entführung der Delia Wright (Timothy Wilde Mysteries #2)
Rezension zu "Der Teufel von New York" (Timothy Wilde Mysteries #1)
Autor: Lyndsay Faye
Verlag: dtv
Format: Broschiert
Preis: 14,90 €
Seiten: 464
ISBN: 978-3-423-26043-5
Klappentext: 1846. Vor einem halben Jahr wurde die Polizei von New York gegründet. Timothy hat sich als sehr talentiert für die Polizeiarbeit erwiesen. Und er glaubt sich ganz gut auszukennen mit dem Verbrechen in seiner Stadt. Dann erscheint die schöne Blumenverkäuferin Lucy Adams in seinem Amtszimmer: Ihr kleiner Sohn Jonas und ihre Schwester Delia sind entführt worden. Tims Ermittlungen führen ihn in ungeahnte Abgründe. Denn Lucys Familie ist »gemischter«, also nicht rein weißer Abstammung. Freie schwarze Bürger im Norden der USA sind Freiwild für Verbrecherbanden, die sie in ihre Gewalt bringen und als Sklaven in die Südstaaten verkaufen. Der Einzige, der Tim jetzt helfen kann, ist sein schillernder Bruder Valentine, seines Zeichens Polizei-Captain, korrupter Politiker, Frauenheld und noch einiges mehr. Als aber in Valentines Bett eine Leiche gefunden wird, muss Tim seinem ungeliebten Bruder beistehen … (dtv)

Was ich erwartet habe

Den zweiten Teil um Timothy Wilde habe ich mir gekauft, ohne den Klappentext gelesen zu haben, da mir der erste Teil schon gut gefallen hatte und der zweite noch besser sein sollte. Als ich dann den Klappentext gelesen habe, konnte ich mich richtig drauf freuen, da ich das Thema unglaublich interessant finde. Als Nebenfach habe ich American Studies studiert und da kommt man natürlich um Sklavenhandel, -befreiung und Gleichberechtigung nicht drum herum.
Ich war gespannt, wie sich Tim in den paar Monaten weiterentwickelt hat, wie es Bird Daily geht und wieviele politische "Regeln" Tim wieder bricht. 


Inhalt

Tim und Jakob Piest haben gerade einen Fall gelöst, bei dem sie einen jungen Schornsteinfeger kennenlernen, den man am liebsten adoptieren möchte. Die beiden haben ein gestohlenes Gemälde wiedergefunden und haben dafür eine saftige Belohnung bekommen. Während sie sich noch freuen, kommt eine junge Frau in den Raum gestützt. Lucy Adams. Dank der one-drop rule gilt Lucy als schwarze Frau, auch wenn man es ihr nur bei genauerem Hinsehen ansieht. Ihre Schwester und ihr Sohn wurden von Sklavenjägern entführt obwohl sie alle freie Bürger sind. Also schnappt sich Tim seinen völlig zugedröhnten Bruder und rettet die Beiden. Doch damit fängt der Schlamassel erst richtig an, denn schon einen Tag später entdeckt Tim eine Leiche in Valentines Bett. Nun muss er schnell handeln und seinem Bruder helfen.
Wieso haben es die Sklavenjäger auf die kleine Familie abgesehen? Was hat Lucys weißer Mann mit allem zu tun? Und warum hat Silkie Marsh, die hinterhältige Bordellbesitzerin, ihre Finger mit drin? Tim muss all diese Fragen beantworten und gerät damit auf die schwarze Liste der Partei.


Meine Meinung

Tim gerät mal wieder in ein großes Schlamassel, in das er sich immer mehr hineinbugsiert. Ihn interessiert nicht, was die Partei sagt, ihn interessiert auch nicht, was das Gesetz sagt. Er will diesen Fall auflösen, komme was wolle. Und es kommt so einiges. Sein Bruder ist, wie immer, total high und redet sehr viel. Tims ehemaliger Kollege Julius Carpenter ist ebenso mit von der Partie, wie Jakob Piest. Dazu kommen noch ein paar Leute von der Bürgerinitiative, die den schwarzen Bürgern helfen, ob Sklaven oder nicht.
Im ersten Band konnte ich mit Tims Bruder Valentine noch nicht so richtig warm werden, doch im zweiten Band wurde er mir fast sympathisch, was größtenteils an seinem Freund Jim lag, den man einfach lieben muss. Alle anderen Charaktere mag ich genauso sehr wie im ersten Band. Allen voraus, natürlich Tim. Jemand bittet ihm um Hilfe und er hilft. So einfach ist das. Zumindest für ihn. Sein Chef ist davon alles andere als Begeistert und auch einige seiner Kollegen stimmen ihm da nicht zu, was zu einer riesigen Schlägerei führt.

Irgendwie kann ich meine Gedanken gerade nicht ganz ordnen. In dem Buch ist aber auch einiges passiert. Ich gehe mal über zu Silkie Marsh.
Miss Marsh ist eine skrupellose Bordellbesitzerin, die auch vor Kinderprostitution und Mord nicht zurückschreckt. Leider ist sie eine wichtige Geldgeberin der Partei und kann sich wunderbar überall rausreden und so tun als wäre sie eine gaaaanz unschuldige junge Frau. Die wenigen, die die Wahrheit kennen, tun entweder alles um sie zur Strecke zu bringen, oder arbeiten für sie. Jetzt muss Tim herausfinden, was sie mit der Leiche in Valentines Bett zu tun hat. Und Tim ist sich sicher, dass sie dahintersteckt.
Die zweite große Frage lautet: Wie kann es sein, dass eine schwarze junge Witwe einen weißen wichtigen Politiker heiratet und nichts von seinem richtigen Leben wusste? Oder wusste sie es doch? Wusste es ihre Schwester? Wusste es sonst noch irgendjemand? Fragen über Fragen, eine Leiche und ein Polizist, der sich nicht kleinprügeln lässt machen das Buch praktisch perfekt.

Die Gaunersprache Flash wird hier so gut wie gar nicht benutzt, nur ein paar Worte, die aber kein Hindernis darstellen. Bird Daily ist auch wieder dabei, wenn auch nur in einer kleinen aber wichtigen Nebenrolle. Tim besucht sie regelmäßig im Waisenhaus und freut sich über ihre Fortschritte. Und dann ist da natürlich noch Miss Underhill. Aus ihr bin ich nach dem ersten Band nicht schlau geworden. Erst war sie mir sympathisch, dann nicht mehr und jetzt kann ich es nicht sagen. Zum Glück gibt es noch einen weiteren Band, der im Februar erscheint.

Besonders gut gefallen hat mir die Hintergrundstory. Wie schon erwähnt, finde ich solche Themen wahnsinnig interessant. Und Lyndsay Faye hat es wunderbar verpackt, mit allen politischen und moralischen Ansichten, die es damals gab und heute leider immer noch gibt. Gleichberechtigung ist heute noch ein wichtiges Thema. Ich will hier keine politische Diskussion anfangen, aber ich finde es unglaublich wichtig, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Im ersten Band ging es um Einwanderer und Religion. Hier um Rassismus. Die Themen könnten nicht aktueller sein. Lyndsay Faye hat mit Timothy Wilde einen Helden erschaffen, der eigentlich ein ganz normaler Kerl ist. Er ist zwar intelligent und nicht auf den Mund gefallen, aber dafür ist er nicht besonders groß oder gutaussehend. Was ihn besonders macht, ist sein Charakter. Er sieht nicht die Hautfarbe oder die Religion, sondern einfach nur den Menschen. Alles andere ist egal.


Fazit

Wer "Der Teufel von New York" mochte, wird "Die Entführung der Delia Wright" lieben. Alles, was ich am ersten Band kritisiert hatte, wurde hier super ausgearbeitet. Tim ist ein wunderbarer Protagonist mit einem großen Herzen und einem großen Mundwerk. Obwohl er immer mehr Leute verärgert, oder gerade deswegen, sucht er immer weiter nach des Rätsels Lösung und findet mehr als er wollte.




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